Bad Sassendorf – Elena steht neben ihrer Freundin Kiara. Sie beide schauen auf ihre Handys. Rechts von ihnen steht Leo in den viele aus der Schule verliebt sind. Er postet private Bilder von Elena im Internet. Während Elena schockiert, starr stehen bleibt, prasseln die Reaktionen auf sie ein –Beleidigungen über ihren Körper, über ihren Charakter. Elena ist schätzungsweise grad mal 14 Jahre alt.
Aufmerksam verfolgten die Schüler der INI Gesamtschule am Dienstag 26.11 das Theaterstück „UpDate“, des „Comic-On Theaters“ aus Köln Nippes. In einer an das Stück anschließenden Diskussion zwischen Schauspielern und Schülern der Klassen 7 bis 10 wurden die in dem Stück behandelten Themen „Cybermobbing“ und „Sexting“ für die Schüler eingeordnet. Beim „Sexting“ handelt es sich um das Verschicken expliziter Nachrichten oder Fotos – Elena verschickte Nacktfotos auf Drängen von Leo. Das „Sexting“ wird im Stück zu „Cybermobbing“. Die Fotos wurden gegen Elenas Willen im Internet verbreitet. Die Reaktionen waren Beleidigungen und respektlose Kommentare über ihren Körper, zunächst im Internet, dann auch in der Realität.
Auch die Schuldfrage wurde mit den Schülern besprochen. Zu Beginn sah der Großteil die Schuld bei Leo. Er verschickte die Bilder weiter. Andere sahen die Schuld bei Elena, da sie die Fotos machte. Manche sahen die Schuld bei beiden. Gemeinsam mit den Schülern arbeiteten die Schauspieler Leos Schuld heraus, der das erste „Nein“ nicht akzeptiert hatte, Elena überredete, bedrängte und ausnutzte. Am Beispiel derjenigen, die die Schuld bei Elena oder beiden sahen, wurde der Begriff der Täter-Opfer-Umkehr erklärt. „Einer betroffenen Person wird die Schuld daran gegeben, was ihr passiert ist“, stellte Liesa Strehler klar, die im Stück die Elena spielte. Am Tag, nachdem ihre Fotos veröffentlicht wurden, kam Elena nicht zur Schule. Auf die Frage, wo Elena wäre, antwortete ein Schüler „Tot“. Ob sie das realistisch fänden, wurde das Publikum daraufhin gefragt. Es stimmten fast alle zu. Die Schauspieler bekräftigten den Eindruck. Sie spielten schon mehrere Male an Schulen, an denen es zu Selbstmord durch Mobbing kam. Die Darsteller empfahlen: Fotos, die ungewollt zugeschickt werden, nicht herunterladen. Mit Eltern, Freunden oder Lehrern sprechen und sich, wenn die Bilder strafrechtlich relevant sind, an die Polizei wenden.
Großer Dank der Schulleitung für ein gelungenes Ereignis an der INI Gesamtschule
Welche Themen bewegen Schülerinnen und Schüler?
Wie ist der Umgang mit social media?
Wie gestalte ich meinen digitalen Alltag mit Freunden, Mitschülern, Lehrern?
Was belastet und bewegt mich, wo ist Sicherheit, Freude, Wohlfühlen in meiner Welt?
Fragen, die alle Jugendlichen bewegen.
In vielen Gesprächen wurde die Idee eines Theaterstückes für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9 Wirklichkeit.
Die Kollegin Linda Suckrau und ihr Lehrerteam, allen voran Kirsten Heidenreich, dazu die technische Unterstützung von Ingo Hense und dem Team von „Auf den Punkt“ brachten
„UpDate auf die Bühne in der Mensa im Steinmicker Weg.
„upDate“ – das Theaterstück widmet sich den Peinlichkeiten, Ängsten und dubiosen Irrtümern während der Pubertät, mit Schwerpunkt auf Sexualität und Soziale Medien. Es thematisiert Verantwortung und Werte im Umgang mit Daten, Bildern und Filmen im Online – Alltags – Verkehr.
Die Kinder- und Jugendstiftung Bad Sassendorf, der Lions Club Soest, die Bürgerstiftung Hellweg und der Kinderschutzbund unterstützten großzügig die Aufführung des Theaters ComicOn aus Köln Nippes und begleiteten mit dem Vorstand des Schulträgers die Aufführung am 25.11. mit ihrer Gegenwart.
Bürgermeister Malte Dahlhoff, die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, Frau Schumacher, und die neue Vorsitzende des AGSSS, Frau Kipp – alle zeigten sich nach der Aufführung beeindruckt und betroffen von der Klarheit in der Darbietung der Problematik Cybermobbing und wertschätzten das Theaterstück als wichtigen Beitrag zur weiteren Auseinandersetzung.
Nach der Aufführung folgte eine Diskussion zwischen den Schauspielern und der Schülerschaft, diese wir im Artikel des Soester Anzeigers sehr gut dargestellt.
Anzumerken ist, dass die Schule in regelmäßigem Austausch mit der Kriminalpolizei Soest zur rechtlichen Problematik mit z.B. Bildern im Netz steht. Die Medienscouts begleiten Themen zum Umgang mit allen Facetten von social media, Elternvorträge finden statt und die Schule ist dankbar für die große Unterstützung durch diese tolle Maßnahme.
Quelle: „Wenn ein Nein nicht zählt“, Soester Anzeiger, jez, Ausgabe vom: 26.11.2025







